EINTRAG #05

WARUM UNSERE BIENENSTÄNDE KEINE LANGEN REIHEN SIND

JOURNAL

Verfasst Juli 2026
Donnerskirchen, Österreich

Es sieht aufgeräumt aus.

Für die Bienen ist es jedoch nicht unbedingt die beste Lösung.

Wenn wir an einen Bienenstand denken, haben viele Menschen das gleiche Bild vor Augen: eine lange Reihe identischer Beuten, ordentlich aufgestellt, eine neben der anderen.

Bereits vor rund 60 Jahren untersuchten Wissenschaftler, wie sich die Anordnung von Bienenvölkern auf deren Orientierung auswirkt. Sie stellten fest, dass Honigbienen regelmäßig in das falsche Volk zurückkehren – ein Verhalten, das als Verflug (Drifting) bezeichnet wird. Besonders häufig tritt dieses Phänomen auf, wenn viele nahezu identische Beuten dicht nebeneinander in langen Reihen stehen.

Verflug ist zunächst ein natürlicher Bestandteil des Bienenlebens. Problematisch wird er, wenn dadurch Varroamilben, Viren oder andere Krankheitserreger leichter zwischen den Völkern übertragen werden. Gleichzeitig verändert sich die Zusammensetzung der Bienenvölker: Einige gewinnen ständig Flugbienen hinzu, andere verlieren sie.

Die Forschung zeigte, dass sich der Verflug deutlich reduzieren lässt.

Nicht durch komplizierte Technik, sondern durch eine naturnähere Gestaltung des Bienenstandes.

Dazu gehören:

  • kleinere Gruppen statt langer Reihen,
  • größere Abstände zwischen den Beuten,
  • unterschiedliche Flugrichtungen,
  • markante Orientierungspunkte wie Bäume, Sträucher oder ander Pflanzen,
  • sowie eine abwechslungsreiche Umgebung.

Diese Erkenntnisse decken sich mit den Beobachtungen des amerikanischen Bienenforschers Thomas D. Seeley. Wild lebende Honigbienenvölker befinden sich nur selten dicht nebeneinander. Sie verteilen sich über die Landschaft und nutzen individuelle Nistplätze mit natürlichen Landmarken. Genau diese räumliche Trennung dürfte ein Grund dafür sein, weshalb sich Krankheiten und Parasiten in natürlichen Populationen langsamer ausbreiten als in dicht besetzten Bienenständen.

Auch deshalb versuchen wir, unsere Bienenstände nicht nur nach praktischen Gesichtspunkten zu gestalten.

Wir orientieren uns an dem, was die Forschung zeigt – und daran, wie Honigbienen seit Millionen Jahren in der Natur leben.

Perfekte Symmetrie ist für Menschen angenehm.

Für Bienen ist gute Orientierung wichtiger.

Kept, not made.

Unsere Aufgabe ist es nicht, sie zu verbessern.

Unsere Aufgabe ist es, sie zu verstehen.

Darum stehen unsere Bienenstöcke nicht einfach dort, wo sie für uns am praktischsten wären. Wir versuchen, sie so aufzustellen, dass sie den Bienen Orientierung geben und ihrem natürlichen Verhalten möglichst nahekommen.

Nicht jede Entscheidung ist sichtbar.

Aber viele davon machen einen Unterschied.

Quellen

Jay, S. C. (1965–1968). Drifting of Honeybees in Commercial Apiaries I–IV. Journal of Apicultural Research.

Seeley, T. D. (2019). The Lives of Bees: The Untold Story of the Honey Bee in the Wild.

Peck, D. T. & Seeley, T. D. (2019). Mite bombs or robber lures? 

Biene Österreich (2025). Wiesenpflanzen für Honigbienen und wilde Bestäuber. 

Die Bienen machen den Honig. Wir erkennen die Prinzipien dahinter.“