JOURNAL
Verfasst April 2023
Donnerskirchen, Österreich
Die meisten Menschen glauben, dass alle Imker den ganzen Honig der Bienen ernten.
Wir haben uns für einen anderen Weg entschieden.
Honig ist nicht einfach Überschuss. Für das Bienenvolk ist er Nahrung, Energie und Winterreserve. Deshalb lassen wir den Bienen bewusst einen bedeutenden Anteil ihres Honigs.
Honig wird oft als Produkt beschrieben.
Für uns beginnt er woanders.
Honig ist die Energie des Bienenvolkes. Das Ergebnis tausender Flüge, unzähliger Blüten und eines lebenden Systems, das mit beeindruckender Präzision arbeitet. Lange bevor Honig in ein Glas kommt, gehört er den Bienen.
Deshalb stehen wir nicht vor einem Bienenvolk mit der Frage:
„Wie viel können wir nehmen?“
Wir beginnen mit einer anderen:
„Wie viel sollten wir lassen?“
Ein Bienenvolk ist keine Maschine.
Es ist ein lebender Organismus aus tausenden einzelnen Bienen, die gemeinsam durch wechselndes Wetter, unterschiedliche Blütenangebote und den Rhythmus der Jahreszeiten arbeiten.
Manche Jahre sind großzügig. Andere nicht. Der Frühling kann kalt sein. Der Sommer trocken. Eine starke Tracht kann fast über Nacht enden.
Deshalb behandeln wir nicht jedes Volk, jedes Jahr und jede Ernte gleich. Das Volk selbst zeigt, was möglich ist.
Nur was entnommen werden kann, ohne die Bienen zu schwächen, kann in die Ernte.
Für Menschen ist Honig eine Delikatesse.
Für Bienen ist Honig Überleben.
Er ist gespeichertes Sonnenlicht. Konzentrierte Blütenenergie. Die Reserve, die ein Volk durch kalte Nächte, schlechtes Wetter und jene Monate trägt, in denen wenig oder nichts blüht.
In der modernen Imkerei werden nach der Ernte oft große Teile des Honigs durch Zuckerfutter ersetzt. Zucker kann Bienen helfen, gut durch den Winter zu kommen. Und wenn es notwendig ist, hat er in verantwortungsvoller Imkerei seinen Platz.
Aber Zucker ist nicht Honig.
Honig trägt den Charakter der Landschaft in sich. Er bewahrt die Erinnerung an Blüten, Bäume, Wetter und Jahreszeit. Er ist Teil des natürlichen Lebens eines Bienenvolkes.
Deshalb lassen wir den Bienen einen bedeutenden Anteil ihres Honigs.
Nicht, weil es einfacher ist.
Sondern weil es richtig ist.
Mehr Honig im Volk zu belassen bedeutet, kleinere Ernten zu akzeptieren.
Es bedeutet, der Versuchung zu widerstehen, jede Wabe, jede Zarge und jedes Volk auf maximalen Ertrag auszurichten. Es bedeutet genauer hinzusehen, selektiver zu ernten und anzuerkennen, dass Natur keine Produktionslinie ist.
Das ist nicht der schnellste Weg, Honig zu gewinnen.
Und auch nicht der billigste.
Aber es ist der Weg, der unserem Verständnis von Imkerei entspricht.
Wir machen keinen Honig.
Das tun die Bienen.
Unsere Aufgabe ist es, jene Bedingungen zu schützen, unter denen sie tun können, was sie über Millionen von Jahren perfektioniert haben.
Dafür steht unsere Philosophie:
Wir hüten die Bienen.
Wir bewahren die Integrität der Ernte.
Und wir halten bewusst Abstand von der Vorstellung, dass Natur immer mehr geben muss.
Jedes Glas The Beekeeper – ARTISAN HONEY ist deshalb nicht nur ein Produkt aus Blüten und Bienen. Es ist auch eine Entscheidung.
Eine Entscheidung, weniger zu nehmen.
Eine Entscheidung, mehr zu lassen.
Eine Entscheidung, Honig nicht als industrielle Ware zu behandeln, sondern als etwas Seltenes, Lebendiges und Schützenswertes.
Denn die Qualität eines besonderen Honigs zeigt sich nicht nur daran, was aus dem Bienenstock genommen wird.
Sondern auch daran, was bleibt.
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